Ukraine Digital

Das DAAD-Förderprogramm „Ukraine Digital: Studienerfolg durch praxisorientierte Onlinelehre“ unterstützte seit Juli 2022 ukrainische Hochschulen bei der Einführung digitaler Lehre und ermöglichte es Studierenden, ihre Studien trotz Kriegsbedingungen fortzusetzen. Im Rahmen dieses Förderprogramms realisierte die Hochschule Mittweida ein gemeinsames Projekt mit der Odesa Nationalen Wirtschaftsuniversität (ONEU) und der Oles Honchar Dnipro Nationalen Universität (DNU).

Der Krieg in der Ukraine hat sich negativ auf die Infrastruktur und das Hochschulsystem des Landes ausgewirkt. Trotz der aktiven Feindseligkeiten arbeiten die ukrainischen Universitäten weiterhin im Fernunterricht. Aufgrund von Personalmangel und veralteten Lehrmaterialien für einige Kurse konnten ukrainische Studierende jedoch ihr Studium nicht abschließen.

Das Projekt Ukraine Digital an der Hochschule Mittweida zielte darauf ab, die durch den Krieg verursachten Herausforderungen im Bildungsbereich zu bewältigen: Es stellte Lehrmaterialien, Stipendien und digitale Hilfsmittel zur Verfügung, ermöglichte die Fortbildung von Lehrkräften und vertiefte die akademische Zusammenarbeit zwischen ukrainischen und deutschen Hochschulen.

Ukraine Digital im Zeitraum von 2022 bis 2025

Das Projekt Ukraine Digital, das im Zeitraum 2022–2025 umgesetzt wurde, hat folgende Ergebnisse erzielt:

1. Digitale Lernmaterialien und Online-Unterricht

Es wurden ins Ukrainische übersetzte Lehrmaterialien in Form von Präsentationen, Skripten, Videovorträgen und Fallstudien zur Verfügung gestellt. Diese Materialien wurden in 28 Studienfächer integriert. Auf ihrer Grundlage erstellten die Lehrkräfte 20 methodische Lernunterlagen, die ebenfalls ins Englische übersetzt und den Studierenden aller Partneruniversitäten zur Verfügung gestellt wurden.

Im März und April 2025 fanden zwei internationale Bildungsveranstaltungen statt, bei denen ukrainische und deutsche Studierende in gemischten Teams an Fallstudien zum Thema internationales Management arbeiteten. Dies trug wesentlich zur Stärkung der akademischen Zusammenarbeit auf praktischer Ebene bei.

2. Stipendien

Das Projekt vergab 202 Stipendien an Studierende, die während des Krieges in der Ukraine geblieben sind. Die Auswahl erfolgte auf der Grundlage der akademischen Leistungen und der sozialen Situation der Studierenden unter Beteiligung beider Partneruniversitäten.

3. Wissenschaftliche Tätigkeit

Es wurden 97 wissenschaftliche Artikel von Studierenden verfasst, die auf drei Konferenzen im September 2023, Februar 2024 und Mai 2025 vorgestellt wurden. Im Jahr 2025 wurden ausgewählte Artikel in Zusammenarbeit mit dem International Journal of Psychology and Strategic Communication (Link) in der Sammlung Ukraine Digital Scientific Journal veröffentlicht.

4. Digitale Transformation des Bildungsprozesses

Im Rahmen des Projekts wurden moderne digitale Tools wie Kahoot!, Mentimeter und Prezi eingeführt, was zu einer aktiveren Beteiligung der Studierenden und einer Verbesserung der Bildungsqualität beitrug. Gleichzeitig absolvierten die Lehrkräfte der ONEU und der DNU einen SAP S/4HANA-Kurs, wodurch die Bildungsprogramme aktualisiert und der Kurs „Enterprise Resource Planning based on SAP” an der ONEU eingeführt werden konnten. Dies war ein wichtiger Schritt beim Übergang vom veralteten 1C-System zum internationalen SAP-Standard und stärkte die digitale Komponente der Hochschulbildung.

5. Ständige Kommunikation und Rückmeldung

Drei Jahre lang pflegten die Partner durch regelmäßige Online- und Offline-Treffen einen ständigen Kontakt. Um den Bildungsprozess und die Kooperationsformate zu verbessern, wurden nach jeder Projektphase Rückmeldungen von den Projektteilnehmern gesammelt.

Zu diesem Zweck wurde eine Reihe von Fragebögen für Studierende, Lehrkräfte und Koordinatoren beider Partneruniversitäten entwickelt. Die erhobenen Antworten trugen dazu bei, die Formate der Veranstaltungen und der Zusammenarbeit zu verbessern, die Bedürfnisse verschiedener Zielgruppen zu berücksichtigen und Potenziale für die weitere Entwicklung zu identifizieren. Dieser Ansatz des kontinuierlichen Dialogs und der Analyse der Erfahrungen der Teilnehmer sorgte nicht nur für Flexibilität, Qualität und Aktualität aller durchgeführten Maßnahmen, sondern schuf auch die Grundlage für eine systematische Verbesserung der Zusammenarbeit in der Zukunft.

Ukraine Digital: Eine Partnerschaft, die über das Projekt hinausgeht

Im Oktober 2024 wurde während der Abschlussveranstaltung der Ukraine Digital Exchange, an der Delegationen aller Partneruniversitäten an der Fachhochschule Mittweida teilnahmen, eine Absichtserklärung (MoU) unterzeichnet. Dieses Dokument hielt die Erfolge des Projekts offiziell fest und definierte die wichtigsten Bereiche für die weitere Zusammenarbeit: Förderung der akademischen Mobilität, Durchführung gemeinsamer Forschungsprojekte, Verbesserung der digitalen Bildung und Schaffung interuniversitärer Studienprogramme. Die Unterzeichnung des MoU war nicht der Endpunkt, sondern vielmehr der Ausgangspunkt für eine neue Phase der strategischen Partnerschaft.

Das Projekt Ukraine Digital hat überzeugend bewiesen, dass internationale akademische Zusammenarbeit eine nachhaltige Antwort auf Krisenherausforderungen bietet und als Treiber für positive Wandlungsprozesse im Hochschulbereich dienen kann. Seine Ergebnisse – übersetzte Lehrmaterialien, aktualisierte Lehrpläne, methodische Entwicklungen, Veröffentlichungen, wissenschaftliche Wettbewerbe und Partnerschaftsabkommen – werden einen langfristigen Einfluss haben und die Grundlage für neue Bildungsinitiativen bilden.

Ein besonderer Erfolg war das verstärkte Interesse der ukrainischen Studierenden an einer weiteren Zusammenarbeit mit der HSMW: Laut Umfrageergebnissen äußerten 96% der teilnehmenden Studierenden den Wunsch, an weiteren internationalen Projekten teilzunehmen. Dies deutet auf eine Stärkung des Vertrauens, die Bildung eines positiven Images der Partnerschaft und eine zunehmende Motivation und Bereitschaft zum interkulturellen akademischen Austausch hin.

Ukraine Digital hat auch zur Entwicklung und Aktualisierung gemeinsamer Bildungsprogramme sowie zur Schaffung der Voraussetzungen für die Einführung neuer Bildungskurse beigetragen, die auf digitale Kompetenzen, nachhaltige Entwicklung und Internationalisierung der Bildung ausgerichtet sind.

Wir freuen uns, weiterhin neue Möglichkeiten für Studierende zu schaffen, die zur Stärkung der akademischen Zusammenarbeit und zur Entwicklung der Hochschulbildung in der Ukraine und in Deutschland beitragen.

Damit wird die Strategie der gegenseitigen Partnerschaft zwischen unseren Hochschulen weiter gefestigt.